Wir sind die Mittleren!

Die ECE-Normgruppe 1 beschreibt die mittlere Kindersitz-Kategorie, für Kinder von 9 bis 18 kg bzw. etwa 1 bis 4 Jahren. Diese Kinder sitzen in der Regel in einer weitgehend geschlossenen Schale, die mittels Fahrzeuggurt oder ISOFIX-System mit dem Fahrzeug fest verbunden ist.



Wir sind die Mittleren!

Der richtige Sitz für Ihr Kleinkind

Reif für vorwärts gerichtete Sitze sind Kinder, die schon längere Zeit aus eigener Kraft sitzen können. Kleinkinder schlafen bei längeren Autofahrten aber auch noch des öfteren ein und brauchen daher seitliche Abstützung. Bei vielen Sitzen ist auch eine Neigungsverstellung vorgesehen. Bei Modellen mit integriertem Hosenträgergurt funktioniert diese Änderung der Sitzneigung oft in mehreren Stufen, auch wenn das Kind schon im Sitz sitzt. Bei Modellen, die direkt oder indirekt, etwa bei einem Fangkörper, den Fahrzeuggurt zur Sicherung brauchen, ist die Positionsänderung nur in unbesetztem Zustand möglich. Diese Sitze haben zumeist auch nur EINE Ruheposition.

Die Normgruppe 1 bietet vier verschiedene Sicherungsarten:

mittlere01.jpg 1. Vorwärts gerichtete Hosenträgersysteme: Moderne, hochwertige Sitze dieser Bauart sind mit speziellen Dämpfungs-systemen ausgestattet, um die Halswirbelsäule des Kindes im Kollisionsfall vor Überdehnung zu schützen. Trotzdem sollte man ein Kind erst so spät wie möglich in ein vorwärts gerichtetes System setzen. 
mittlere02.jpg 2. Rückwärts gerichtete Hosenträgersysteme: Sie bieten bei schweren Frontalkollisionen den besten Schutz. Besonders vorteilhaft sind ISOFIX-Systeme, die zuerst gegen (reboard) und dann in Fahrtrichtung montiert werden können. Nachteile der Reboards: Die Kinder haben weniger Sicht auf Verkehrsgeschehen und Mitfahrer und werden dadurch meist schneller unruhig. Manche Kinder vertragen auch das „Rückwärtsfahren“ nicht so gut. Problematisch ist bei größeren Kindern auch die mangelnde Beinfreiheit.  
mittlere03.jpg 3. Fangkörpersysteme: Diese Kindersitzart wird besonders bei Kombinationssitzen eingesetzt. Vorteilhaft sind die einfache Sicherung und die Bewegungsfreiheit auch für ältere Kinder, zudem ist es auch lebhaften Kindern nicht möglich, sich selbst aus diesem Sitz zu befreien. Bei einer Frontalkollision kann der Oberkörper mit nach vorne gehen, wodurch die Nackenbelastungen geringer aus-fallen. Von Nachteil sind das subjektive Engegefühl und die Tatsache, dass der Kopf – besonders größerer Kinder – bei seitlichen Kollisionen leichter an den Dämpfungselementen vorbeirutschen kann. 
 
mittlere04.jpg 4. Dreipunktgurt-Systeme: Hier werden Sitz und Kind gleichzeitig – und ausschließlich – mit dem Fahrzeuggurt gesichert. Dies ist vor allem für kleine Kinder bis etwa 13 kg nicht zu empfehlen. Vorsicht: In dieser Sicherungsvariante werden besonders viele extrem billige und minderwertige Systeme angeboten. Hersteller von Qualitätsprodukten bieten für diesen Bereich Fangtische an. Zumeist sind solche Systeme auch als Kombinationssitze (siehe S. 16) aus-geführt und für mehrere Gewichtsgruppen verwendbar. 

Besondere Features am Beispiel Hosenträgersitz:

mittlere06.jpg 1. Energieabsorbierende Schulterpolster: Sie bremsen den Oberkörper des Kindes sanfter ab und verringern gefährliche Spitzenbelastungen vor allem im Kopf- und Nackenbereich. Zur effizienten Wirkung muss der Gurt möglichst straff und direkt an der Schulter aufliegen. 
2. Spannvorrichtung für den Fahrzeuggurt: Zur möglichst straffen Befestigung eines Sitzes im Fahrzeug verfügen bessere Sitze über einen Hebel, mit dem der bereits straff gezogene Fahrzeuggurt nochmals nachgespannt und der Sitz in die Polsterung des Fahrzeugs gepresst wird. Je früher der Kindeskörper im Fall eines Aufpralls an der Fahrzeugverzögerung teilnimmt, desto länger die „Bremsphase“ und desto geringer die Spitzenbelastungen.
3. Integrierte Gurthöhenverstellung: einfaches Höherstellen der Schultergurte – kein lästiges Gurtumfädeln. So werden auch Bedienungsfehler vermieden.






Besonderheiten

besonderheiten01.jpgKombinationssitze – nicht jedes Kindes Sache...
Kombinationssitze decken die Normgruppe 1 und noch eine oder mehrere andere Gruppen ab – und begleiten das Kind über viele Jahre seines Lebens. Finanzielle Ersparnis ist meist dennoch nicht gegeben: Zumindest mehrfach erneuerte Sitzbezüge sind mit einzukalkulieren.

Die Nachteile
Der Körper eines Kindes verändert  sich zwischen dem 1. und 12. Lebensjahr sehr stark – der Sitz kann also kaum dem Kleinkind ebenso wie dem jugendlichen Schüler optimal passen. Stichwort Technik: Die innerhalb eines Jahrzehnts entwickelten Produktverbesserungen in Sachen Sicherheit und Komfort können nicht genutzt werden – spätestens nach fünf Jahren ist ein Kindersitz technisch veraltet.

Die Vorteile
Kinder mit besonderen Bedürfnissen oder Kinder, die nicht der „Normgröße“ entsprechen – also etwa besonders zarte oder korpulente Kinder – sind in einem Kombisitz besser aufge-hoben. Vorteilhaft ist ein Kombiprodukt auch etwa für Großeltern, die abwechselnd unterschiedlich große Enkel befördern wollen. Fazit: Aus rein ökonomischen Gründen sollte man Kombinationssitze nicht anschaffen – gewisse individuelle Vorzüge rechtfertigen ihren Einsatz aber sehr wohl.

besonderheiten03.jpgImmer mit dabei: Integrierte Kindersitze
Sie sind fix in der Sitzbank verankert und können bei Bedarf aus dieser herausgeklappt werden. Für Kinder der Normgruppe 1 (9-18kg) werden zusätzlich in die Rückenlehne integrierte Hosenträgergurte oder aufsteckbare Fangtische angeboten. Neueste Entwick-lungen bieten auch Seitenschutz im Kopfbereich an. Aktuelle Vergleichstests des ÖAMTC belegen, dass integrierte Sitze mit klassischen Kindersitzen vor allem beim Seitenaufprall sicherheitstechnisch noch nicht ganz mithalten können.
Integrierte Sitze sind zumeist nicht nachrüstbar und kosten deutlich mehr als herkömmliche Sitze. Zielgruppe sind vor allem gewerbliche Nutzer wie etwa Taxiunternehmen oder z.B. Großeltern, die mit ihrem Auto schnell mal als Transportmittel einspringen.





Straff & fest

Wie nehmen wir ihn denn?

Hosenträgersitze sind die mit Abstand häufigste Sicherungsart für „die Mittleren“. Unglaubliche 60 Prozent aller Kindersitze werden aber falsch montiert bzw. Kinder nicht korrekt darin gesichert. Hier die zwei Kardinal-Fehler:

straff.jpg1. Falsche Montage
Die Bedienungsanleitung wird ignoriert, der Sitz falsch montiert. Der Fahrzeuggurt wird nicht in die vorgesehenen Führungen eingelegt und auch nicht ordnungsgemäß eingeklemmt. Die wenigsten Sitze werden wirklich straff im Auto montiert. Oberste Faustregel daher: Straff befestigt ist ein Hosenträgersitz dann, wenn er sich – an der Rückenlehne gefasst – nicht merklich von der Fahrzeugsitzbank wegziehen lässt. Aufschlussreich ist auch der „Lösetest“: Man öffnet beim montierten Kindersitz das Fahrzeuggurtschloss. In diesem Moment muss einem der Kinder-sitz durch die nachlassende Spannung förmlich entgegenhüpfen.

Wichtig: Den Kindersitz bei der Montage möglichst fest in die Sitzpolsterung pressen. Erleichterte Montage bieten ISOFIX-Sitze.

 

2. Falsche Sicherung
Die Hosenträgergurte werden nicht straff genug festgezogen. Faustregel: Maximal eine flache Hand darf zwischen Schultergurt und Brustkorb des Kindes passen. Dicke Kleidungsschichten – Daunenjacke, Anorak & Co. – dürfen nicht zwischen Gurt und Kindeskörper liegen. Bei lockerem Gurt oder voluminöser Kleidung ist das Kind im Fall einer Kollision erheblich höheren Aufprallbelastungen ausgesetzt.

Wechselfieber
Auch hier gilt: So spät wie möglich wechseln! Kinder sollten erst mit etwa 110 Zentimetern Körpergröße in eine Sitzerhöhung mit Rückenlehne wechseln. Dabei geht es nicht nur um Größe und Gewicht des jungen Passagiers, son-dern vor allem um dessen geistige Reife. Denn ab nun wird das gute Kind in seinem Sitzkissen direkt mit dem Fahrzeug-Dreipunktgurt gesichert – und der ist frei beweglich... (Bild S. 31). Eine Rückkehr in den „alten“ Sitz führt meist zu massiven Protesten. Fazit: Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an!