Wir sind die Kleinen!

Es ist soweit: Ihr Baby fährt zum ersten Mal mit Ihnen im Auto mit – wahrscheinlich auf der großen Überfahrt vom Spital nach Hause. Klarer Fall: Für Babys erste Fahrt muss alles perfekt sein. Hier der kinderleichte Leitfaden dazu...



Wir sind die Kleinen!

Schalensitze der ECE-Normgruppe 0+ sind die gebräuch-lichste und sicherste Methode in Sachen Babytransport. Sie sind bis maximal 13 kg Körpergewicht zugelassen und müssen IMMER gegen die Fahrtrichtung verwendet werden. Bei einer Kollision wird der gesamte Rumpf des Kindes samt Köpfchen durch die Rückenlehne gleichmäßig abgestützt. Veraltete Babyschalen, die nur bis 10 kg zugelassen sind, sollten keinesfalls verwendet werden.

Achtung: Rückwärts gerichtete Kindersitze dürfen NICHT auf dem Beifahrersitz verwendet werden, wenn dort ein aktiver Front-Airbag vorhanden ist. Kann der Airbag nicht abgeschaltet werden, muss der Kindersitz auf der Rückbank, ebenfalls gegen die Fahrtrichtung, montiert werden.

die_kleinen.jpgModerne Babyschalen können auch mit einem Basisteil verwendet werden. Die Basis bleibt im Auto, die Schale wird auf der Basis eingeklinkt. Dadurch entfällt das manchmal etwas umständliche Sichern mit dem Fahrzeuggurt. Solche Basisteile können mit dem Gurt oder auch mit ISOFIX (siehe Seite 21) befestigt werden.

Quer oder verkehrt?
Wannen sind meist speziell zugelassene Kinderwagenoberteile, die quer zur Fahrtrichtung auf der Sitzbank befestigt werden – sicherheitstechnisch sind diese Wannen gegenüber rückwärts gerichteten Schalen eindeutig im Nachteil. Außerdem sind die meisten Wickelkinder mit fünf Monaten nicht mehr bereit, im Wachzustand längere Zeit still liegen zu bleiben. Die zusätzliche Anschaffung einer Babyschale ist dann unvermeidlich, denn der direkte Wechsel in ein vorwärts gerichtetes System ist zu diesem Zeitpunkt noch viel zu früh (siehe Seite 10).

Bestimmte Kombinationsprodukte können von Geburt an bis 18 kg (Gruppe 1) entgegen der Fahrtrichtung verwendet werden. Diese sind allerdings oft so groß und steil geformt, dass der Transport eines Neugeborenen problematisch ist. Alles in allem: Ein klarer Sieg für die moderne Babyschale!






Wenn Babys reisen

Erste Fahrt – sichere Fahrt
Unter diesem Motto sollte bereits die erste Autofahrt des neuen Erdenbürgers von der Klinik nach Hause stehen. Ein Babyschalensitz kann praktisch bereits ab dem 1. Lebenstag verwendet werden – nach ambulanten Geburten muss jedoch der Kinderarzt grünes Licht für die Heimfahrt geben und das Kleine für transportfähig erklären. Für Kinder unter
5 kg gibt es bei hochwertigen Schalen spezielle Kissen, um das Becken zu stützen und so genannte „Sitzverkleinerer“, die den Kopf stabilisieren.

reisen.jpgUnternehmen Sie mit Ihrem Sprössling in seinen ersten vier Lebensmonaten nur die allerwichtigsten Fahrten – Urlaubs-reisen oder Besuche bei Familie und Freunden sollten erst etwas später wieder auf dem Programm stehen. Wer das Baby sehen will, kommt am besten selbst vorbei.

Keine Schalen-Marathons!
Moderne Babyschalen verleiten viele Eltern zu exzessiver Nutzung. Neben ihrer eigentlichen Funktion als Schutzsystem im Fahrzeug wird die Schale auch als Wippe zu Hause und bei Freunden eingesetzt. Auch im Einkaufswagen im Supermarkt findet eine derartige Schale locker Platz. Darüber hinaus ermöglichen spezielle Adapter den Gebrauch der Sitzschale als Ersatzkinderwagen. Das ist so schön praktisch und erweitert den Aktionsradius der jungen Eltern ungemein. In Summe erlebt Ihr Baby auf diese Weise viele Stunden bewegungslosen Verharrens in seiner Sitzschale. Babys angewinkelte Beine drücken gegen den vollen Magen und dieser wiederum auf die Lunge – seine Atmung wird dadurch erschwert. Zudem bedeutet die gekrümmte Haltung eine starke Belastung der noch weichen Knochen. Eltern, die ihren Kindern regelmäßig Schalensitz-Marathons zumuten, können wir nur ein zweistündiges regungsloses Probeliegen in einer Scheibtruhe empfehlen.

Experten-Tipp: Lassen Sie Ihr Baby nach Möglichkeit nicht länger als eine halbe Stunde am Stück in seiner Schale liegen – im Kinderwagen liegt es bei weitem bequemer und gesünder. Setzen Sie die Babyliegeschale am besten nur dort ein, wo sie ursprünglich hingehört: im Auto.






Wann wechseln wir?

wechseln_01.jpgVom richtigen Zeitpunkt
Nein, diesmal geht's nicht um den rechtzeitigen Boxenstopp zwecks Windelwechsel. Sondern um den richtigen Zeitpunkt für den Wechsel zum nächstgrößeren Kindersitz. Auch wenn Sie es nicht erwarten können, Ihren kleinen Liebling endlich aus der Sitzschale in einen in Fahrtrichtung weisenden Sitz zu verfrachten: Wechseln Sie so spät wie möglich!

Denn Babys haben einen – im Verhältnis zum gesamten Körper – extrem schweren Kopf. Rund ein Viertel der Gesamtmasse eines Babys macht allein der Kopf aus. Beim Transport gegen die Fahrtrichtung werden sowohl der Rumpf als auch der Kopf und damit auch der zarte, muskulär noch schwach entwickelte Hals gleichmäßig von der Rückenlehne der Babyschale abgestützt. Sitzt ein Kind allerdings zu früh in Fahrtrichtung, so wird im Falle einer Kollision zwar der Rumpf durch die Schultergurte gehalten, der Kopf schnellt da-zwischen aber ungebremst nach vorne.

wechseln_02.jpg60 Kilo Kopf
Ein 6 Monate altes Kind wiegt etwa 8 kg, sein Kopf allein bereits rund 2 kg. Bei einem Aufprall mit Tempo 50 wäre sein Kopf dann – bedingt durch die einwirkenden physikalischen Kräfte – 30-mal so schwer, er würde also kurzzeitig 60 kg wiegen. Schwerste Verletzungen der Halswirbelsäule können die Folge sein – an den Gesetzen der Physik ist eben nicht zu rütteln. Die Schlaf- oder Schlummerstellung des vorwärts gerichteten Sitzes verstärkt diesen Effekt in der Regel noch: Der Winkel zwischen Kopf und Körper wird im Fall des Aufpralls noch extremer, die Belastung für die kindliche Halswirbelsäule noch dramatischer.

Bitte warten...
Auch wenn die Beine Ihres Kindes bereits über den unteren Schalenrand hinausragen oder sogar fest gegen die Rückenlehne drücken – warten Sie noch so lange wie möglich mit dem Kindersitz-Wechsel ab. Denn die rückwärts gerichtete Transportmethode ist auch jetzt noch mit Abstand die sicherste: Körper, Hals und Kopf werden im Kollisionsfall gleichmäßig und ohne Verdrehung über die stabile Rückenlehne der Babyschale abgestützt. Kinder in rückwärts gerichteten Sitzen haben ein deutlich geringeres Verletzungsrisiko als Kinder in anderen Rückhaltesystemen.

Gute Gründe für den Wechsel

  • Ihr Kind reicht mit dem Scheitel bereits nah an den oberen Schalenrand heran. Dies ist vor allem bei veralteten Babyschalen der Gruppe 0 früh der Fall - diese Schalen sind, da nur bis 10 Kilogramm Körpergewicht zugelassen, in der Regel auch kleiner. In diesem Fall am besten in einen größeren, aber immer noch rückwärts gerichteten Kindersitz der Gruppe 0+oder 1 wechseln.
  • Ihr Kind erreicht das Grenzgewicht. Bei modernen Babyschalen der Gruppe 0+ sind das 13 Kilogramm. Kann es noch nicht aus eigener Kraft stabil sitzen, braucht es einen größeren, ebenfalls gegen die Fahrtrichtung gerichteten Kindersitz der Gruppe 1.
  • Das Kind wehrt sich vehement gegen die halb liegende, rückwärts gerichtete Posi-tion. Kann es schon sehr gut längere Zeit selbstständig sitzen, ist ein Wechsel in einen vorwärts gerichteten Sitz - am besten nach Rücksprache mit Ihrem Kinderarzt - möglich. Ist die Stützmuskulatur soweit gekräftigt, dass das eigene Körpergewicht gehalten werden kann, nimmt das Risiko einer Halswirbelverletzung mit steigendem Alter weiter ab.







Macht keinen Fehler!

Sicherung von Babyschalen: Richtig ist wichtig!

  • fehler_02.jpgFalscher Gurtverlauf: Häufigster Fehler bei der Verwendung von Babyschalen: Der Fahrzeuggurt wird nicht korrekt um die Schale gelegt. Die fatale Folge: Bei einem Unfall kippt die Schale aus der vermeintlich sicheren Verankerung. Der Blick in die Bedienungs-anleitung der Babyschale ist also von großer Bedeutung. Noch besser: Man lässt sich die Montage von einem fachkundigen Verkäufer Schritt für Schritt zeigen – und probiert die Sache in Anwesenheit des Profis auch gleich selbst aus.

  • Falsche Richtung: Immer wieder werden Babyschalen auch IN Fahrtrichtung verwendet oder nur mit dem Beckengurt befestigt. Dabei gilt doch der Grundsatz: Babyschalen nur GEGEN die Fahrtrichtung verwenden und IMMER mit Dreipunktgurt sichern.

  • Zu kurzer Gurt: Wenn der Gurt zu kurz ist, sollte die Wahl auf ein Produkt mit alternativer Gurtführung fallen, das deutlich weniger Gurtband benötigt. In einem wirklich guten Fachgeschäft findet man dazu die ent-sprechende Beratung. Und nicht vergessen: Den Kindersitz VOR dem Kauf im EIGENEN Fahrzeug ausprobieren!

  • Lockere Schalen: Ein weiterer häufiger Fehler sind zu locker befestigte Babyschalen. Eine gut montierte Babyschale erkennt man auf den ersten Klick: Beim Druck auf die Lösetaste des Fahrzeuggurts sollte die soeben befestigte Babyschale förmlich aus der Sitzbank „heraus-hüpfen“. Wenn nicht, war sie zu locker angegurtet.

  • fehler_03.jpgLockere Gurte: Die Schultergurte müssen so straff am Körper anliegen, dass bestenfalls eine flache Hand zwischen Gurt und Brustkorb passt.

  • Dicke Jacke – dickes Ende: Bei winterlichen Autofahrten darf keine dicke Jacke zwischen Gurt und Kind liegen – sie würde im Fall des Unfalles die Schutzwirkung des Gurts beträch-tlich verzögern. Der Experten-Tipp: Rein ins Auto – raus aus dem Anorak! Am besten zieht man dem kleinen Passagier die Jacke vor Fahrtantritt aus und deckt ihn gleich nach dem Anschnallen wieder damit zu. Trägt Ihr Baby einen Overall, so öffnen Sie den Zipp des Overalls so weit, dass die Gurte möglichst direkt am Körper liegen. Und natürlich warm einheizen, das versteht sich von selbst.

  • Risiko Schlummerstellung: Gefährlich sind auch Schalen, die zu flach im Fahrzeug positioniert sind. Dadurch steigen bei einem Crash nicht nur die Kopfbelastungen, es besteht auch die Gefahr, dass der Körper aus den Gurten herausrutscht.